Immobilienwelt der Zukunft

31. December 2017

Der Immobilienkonzern Swiss Prime Site will die Mietkaution auf die Blockchain bringen. Damit lässt sich viel Geld sparen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, automatisiertes Vertrauen ist am besten. So lässt sich umschreiben, wie Technologie die Immobilienwelt verändert. Wie die Zukunft aus­sehen könnte, erklärt Urs Baumann, der bei Swiss Prime Site (SPS) arbeitet, anhand der Mietkaution. Baumann leitet beim Immobilienkonzern, zu dem auch die Immobiliendienstleisterin Wincasa gehört, die Abteilung Nachhaltigkeit und Innovation.

Wenn ein Vermieter ein Wohnobjekt vermietet, könnte er darauf vertrauen, dass der Mieter fristgerecht zahlt und die Wohnung nicht beschädigt. In der Regel will er aber Kontrolle; er wird vom Mieter eine Sicherheit verlangen. Sie kann entweder in Form eines auf ein Sperrkonto einer Bank bezahlten Einmalbetrages oder einer über regelmässige Prämien abgesicherten Kaution bestehen.

Diese Sicherheit herzustellen, ist mühselig. Ein Sachbearbeiter verschickt nebst diversen Formularen einen Einzahlungsschein per Post, später kontrolliert er, ob die Zahlung ­eingegangen ist. Im Fall der Einmalüberweisung muss er ein Sperrkonto eröffnen, den ein­gegangenen Betrag dorthin überweisen und schliesslich auch noch alle Dokumente in einem Dossier ablegen.

Bei einer Kaution muss er den periodische Zahlungsfluss sicherstellen. Viel Arbeit, die nur einem Zweck dient: Vertrauen in Form einer geldwerten Sicherheit herzustellen. Meist, wenn nichts passiert, ist sie gar nicht nötig. Arbeit hat der Sachbearbeiter trotzdem, sobald die Miete ­beendet ist, er muss das Sperrkonto oder die Kaution wieder auflösen.

Enorme Beschleunigung

Nun lässt sich dieser Prozess beschleunigen. Mieter und Vermieter können ihn auf Knopfdruck ablaufen lassen. Eine Bank oder eine Kautionsfirma braucht es nicht mehr. Möglich machen das knapp 200 Zeilen Programmiercode. Das Vertrauen, dass ein Kautionsbetrag existiert, wird automatisch hergestellt, durch die Ethereum-Blockchain, ein fälschungssicheres Buchführungssystem.

Baumann legt zwei Blätter auf den Tisch. Auf einem steht schematisch, mit vielen Pfeilen und Kästchen, wie bei Wincasa heute eine Mietsicherheit (Sperrkonto oder Kaution) abgewickelt wird. Baumann hat zusammen mit Ralf Glabischnig vom IT-Beratungsunternehmen Inacta den Prozess so neu strukturiert, dass er auf der Blockchain ablaufen kann. Das Resultat sieht man auf dem zweiten Blatt in deutlich weniger Schritten dargestellt.

Neu fordert der Sachbearbeiter die Mietsicherheit beim Mieter per E-Mail an. Dieser bekommt ein Bild der Immobilie mit Details zu sehen und bestätigt per Knopfdruck, dass es das richtige Objekt ist. Damit verknüpft er das Mietobjekt mit seinem elektronischen Konto.

Den Sicherheitsbetrag bezahlt er mit einem weiteren Knopfdruck. Die Blockchain schickt automatisch eine Zahlungsbestätigung an den Vermieter. Der Geldbetrag wird in einem «Smart Contracts» gespeichert.

 

Artikel in der NZZ vom 31.12.2017: https://nzzas.nzz.ch/wirtschaft/immobilienwelt-der-zukunft-ld.1343732

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