Agentic Coding eröffnet der Schweiz die grösste Reshoring-Chance seit Jahrzehnten

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Inacta sieht ein Potenzial von bis zu 1,5 Milliarden Franken jährlich für den Schweizer IT-Standort

Zug, 24. Juni 2026. Künstliche Intelligenz verändert die Kostenlogik der Softwareentwicklung grundlegend. Was Schweizer Unternehmen seit Jahren ins nahe und ferne Ausland verlagert haben, wird durch KI-gestützte Entwicklungsmethoden zunehmend wieder in der Schweiz realisierbar. Inacta, ein Zuger IT-Beratungsunternehmen, sieht darin eine bedeutende Chance für den Wirtschafts- und IT-Standort Schweiz. Gemäss einer eigenen Schätzung könnten jährlich bis zu 1,5 Milliarden Franken an Wertschöpfung wieder in die Schweiz erbracht werden. Eine Zahl mit Signalwirkung.

Schweizer Unternehmen haben in den vergangenen Jahren erhebliche Teile ihrer IT-Entwicklung ins Ausland verlagert. Nicht aus Überzeugung, sondern häufig aufgrund wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Der Fachkräftemangel in der Schweiz, kombiniert mit einem der weltweit höchsten Lohnniveaus für IT-Spezialisten, liess vielen Unternehmen nur begrenzte Alternativen.

Nearshoring nach Osteuropa, Indien oder Südostasien brachte kurzfristige Kostenentlastung. Gleichzeitig entstanden zusätzliche Herausforderungen wie höherer Koordinationsaufwand, Zeitzonenunterschiede, kulturelle Reibungsverluste, Datenschutzfragen oder eingeschränkte Möglichkeiten, sensible Projekte eng zu steuern. Diese Faktoren wurden durch die Kostenvorteile oftmals in den Hintergrund gedrängt.

KI verschiebt die Gleichung

Mit dem Aufkommen leistungsfähiger KI-Entwicklungswerkzeuge, insbesondere im Bereich des sogenannten Agentic Coding, bei dem KI-Systeme eigenständig Code schreiben, testen und optimieren, ändert sich die Kostenstruktur der Softwareentwicklung fundamental. Ein kleines, KI-gestütztes Team in der Schweiz kann heute Leistungen erbringen, die früher deutlich grössere Offshore-Teams erforderten.

Die Konsequenz: Der entscheidende Kostenvorteil des Nearshorings verliert an Bedeutung. Was bislang vor allem durch geografische Arbitrage wirtschaftlich war, wird zunehmend auch lokal darstellbar.

Wie die Rückverlagerung aussehen kann

Die Veränderung vollzieht sich dabei nicht als einheitlicher Prozess, sondern entlang verschiedener Projekttypen. Erstens ermöglicht KI, Transformationsprojekte zu realisieren, die bislang aus Kostengründen nicht lokal umsetzbar waren: die Modernisierung von Legacy-Systemen, Systemintegrationen oder die Ablösung veralteter Plattformen. Zweitens entstehen sogenannte Enablement-Projekte, bei denen bestehende Produkte und Geschäftsprozesse mit KI-Fähigkeiten erweitert werden. Vorhaben, bei denen die inhaltliche Nähe zum Fachbereich entscheidend ist und die deshalb besonders von lokaler Umsetzung profitieren. Drittens werden durch die gesunkenen Entwicklungskosten gänzlich neue Projekte wirtschaftlich, die vor dem KI-Zeitalter nicht denkbar gewesen wären.

Eine grosse Reshoring-Chance für den Wirtschaftsstandort Schweiz

Die Entwicklung ist nicht nur für einzelne Unternehmen relevant. Sie berührt den Wirtschaftsstandort Schweiz als Ganzes. Die Schweiz verfügt über strukturelle Vorteile, die bei lokal erbrachter IT-Entwicklung voll zum Tragen kommen: Rechtssicherheit, ein hohes Datenschutzniveau, ein innovationsaffines Umfeld sowie die räumliche und kulturelle Nähe zwischen Entwicklungsteams und Auftraggebern. Diese Vorteile wurden durch den Kostendruck der vergangenen Jahre häufig untergewichtet. KI verschiebt die Gewichtung wieder zugunsten dieser Standortfaktoren.

Die wirtschaftliche Tragweite dieser Entwicklung ist erheblich. Gemäss einer eigenen Schätzung von Inacta könnten mittelfristig jährlich bis zu 1,5 Milliarden Franken an zusätzlicher IT-Wertschöpfung wieder in der Schweiz erbracht werden (siehe Abschnitt «Zur Schätzung»). Damit würde sich erstmals seit vielen Jahren ein Teil jener Entwicklungsleistungen wieder lokal realisieren lassen, die aus Kostenüberlegungen in den vergangenen Jahren ins Ausland verlagert wurden.

KI ist nicht nur ein Effizienzthema, es ist auch ein Standortthema. Wir haben als Schweizer Wirtschaft über Jahre akzeptiert, dass bestimmte IT-Leistungen im Ausland günstiger erbracht werden. Diese Prämisse gilt nicht mehr. Die Frage ist, ob wir die Konsequenz daraus ziehen und die Wertschöpfung aktiv zurückholen.

Ralf Glabischnig, Mitgründer der Inacta AG

Für Branchenverbände, Standortförderer und Wirtschaftspolitik ergibt sich daraus eine klare Handlungsempfehlung: Die gezielte Förderung von KI-Kompetenz in der IT-Branche ist nicht nur eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit einzelner Unternehmen. Sie ist auch eine Investition in die Rückkehr von Wertschöpfung, die die Schweiz über viele Jahre schrittweise ins Ausland verlagert hat.

Über Inacta AG

Seit 2009 ist die Inacta AG Ihr vertrauensvoller Partner für digitale Transformation und innovative AI-Lösungen in der Schweiz. Inacta ist ein unabhängiges Schweizer IT-Beratungsunternehmen mit Sitz in Zug und über 100 Mitarbeitenden. Der Fokus liegt auf Vertrauen, Transparenz, Effizienz und langfristigem Erfolg, während Inacta Kunden aus den Branchen Banken, Versicherungen sowie dem Gesundheitswesen unterstützt. Mit umfassender Beratung, massgeschneiderter Entwicklung, nahtloser Integration und sorgenfreiem Betrieb von hochwertigen Applikationen setzt Inacta dabei besonderen Wert auf höchste Standards in Sicherheit und Datenschutz.

Zur Schätzung

Inacta hat auf Basis öffentlich verfügbarer Marktdaten eine eigene Einschätzung des Rückholpotenzials erarbeitet. Ausgangspunkt ist der Schweizer IT-Dienstleistungsmarkt, der heute ein Volumen von rund 14 Milliarden Franken jährlich umfasst. Gestützt auf Branchenbeobachtungen schätzt Inacta den heutigen Near- und Offshore-Anteil auf rund 25 Prozent — also 3 bis 4 Milliarden Franken. Unter der konservativen Annahme, dass mittelfristig etwa die Hälfte dieser Leistungen durch KI-gestützte Entwicklung wieder wirtschaftlich in der Schweiz erbracht werden kann, ergibt sich ein Potenzial von rund 1,5 Milliarden Franken pro Jahr.

Inacta weist darauf hin, dass es sich dabei um eine eigene Schätzung handelt, keine wissenschaftlich erhobene Zahl. Die tatsächliche Entwicklung hängt davon ab, wie schnell Unternehmen KI-basierte Entwicklungsmethoden adaptieren, welche Teile der IT-Wertschöpfungskette davon erfasst werden und wie sich die globalen Lohnunterschiede weiterentwickeln. Mittelfristig ist die Grössenordnung jedoch plausibel und als Signal klar: Es geht um substanzielle Wertschöpfung.

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