Schweizer Kryptobanker entdecken die Langeweile

28. März 2019

Schnelles Geld, dicke Autos, kurzer Ruhm: die aufstrebende Kryptoszene atmete bisher nicht gerade Beständigkeit. Doch nun erfinden Blockchain-Banker alte Tugenden neu.

Mit den Kursen der wichtigsten Kryptowährungen mag es nicht zum Besten stehen. Trotzdem zeigte sich die Szene am Zuger CV Cryptovalley Summit am (gestrigen) Mittwoch in gewohnt exaltierter Manier. Weder fehlte die Lichtshow, noch der als «master of ceremony» auftretende Conferencier, noch das eigentümliche Aufeinandertreffen von Selbstdarstellern und IT-Mauerblümchen im Schlabber-Look.

Und dennoch schlug die unter dem Motto «buidl towards crypto spring» – bauen für den Kryptofrühling – lancierte Konferenz überraschend leise Töne an.

Schneller Durchbruch ist vertagt

Nach dem «Kryptowinter» von 2018 ist der Branche klar geworden, dass man nicht «mit einer Powerpoint-Präsentation 20 Millionen Franken von Investoren einsammeln kann», wie es ein Akteur gegenüber finews.ch auf den Punkt brachte.

Stattdessen brauche es harte Aufbauarbeit, um der Welt zu zeigen, was die Blockchain-Technologie vermag, so die Einsicht.

Mit einem schnellen Durchbruch rechnete am Mittwoch in Zug deshalb kaum jemand mehr. Dies galt insbesondere für die anwesenden «Kryptobanker», auf denen viel Hoffnung ruht, die Technologie doch noch fürs breite Publikum werthaltig zu machen.

Solide Standards setzen

«Wir müssen sehr vorsichtig sein, sauber arbeiten und nicht zu viel versprechen», betonte etwa Mathias Imbach, Mitgründer des in der Schweiz und Singapur tätigen Fintechs Sygnum. In der jetzigen Phase sei es wichtig, solide Standards zu setzen, auf denen dann in kommenden Jahren aufgebaut werden könne.

Die sprichwörtliche Langweile, die einst für Solidität im Swiss Banking bürgte, scheint demnach ausgerechnet in der Kryptofinanz wieder als Tugend in Mode zu kommen.

Interne Widerstände

Imbach bemüht sich mit Sygnum derzeit um eine Lizenz der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma). Aber auch die Kollegen von gegenüber der Kryptofinanz höchst aufgeschlossenen Adressen wie der Liechtensteinischen Bank Frick, der Zürcher Falcon Private Bank und der Turicum Bank mit Hauptsitz in Gibraltar mochten dem Blockchain-Banker da nicht widersprechen.

Beruhigen müssen die Krypto-Experten dabei nach innen wie nach aussen. So erinnerte sich Mauro Casellini, Leiter Blockchain bei der Bank Frick, dass die bankinternen Widerstände gegen das neue Geschäft fast grösser gewesen seien als die des liechtensteinischen Regulators.

Applaus für die Aufsicht

Katie Richards, Co-Head Digital Assets bei Falcon, sprach ihrerseits davon, dass die Bankkunden in diesem Stadium statt auf Spekulation vor allem auf Sicherheit für ihre Krypto-Investments bedacht seien. Deshalb spielten Angebote zur sicheren Verwahrung nun eine grosse Rolle.

Überraschend voll des Lobes waren die Akteure für die Schweizer Behörden, die Finma und das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD). «Kleinere Jursidiktionen verwenden die Regulation eher als Marketing-Tool», sagte Louis Raymond Bisang, Entwicklungschef bei der Turicum Bank, die eine Blockchain-Lizenz von Gribraltar hält. «Die Schweiz will wirklich regulieren.»

Viel Zuspruch erntete in jener Runde die vor wenigen Tagen eröffnete Vernehmlassung zur Anpassung des Bundesrechts, mit der das EFD die Rechtssicherheit von Blockchain-Geschäftsmodellen erhöhen und Missbrauch-Risiken begrenzen will. Den Applaus durfte Bundespräsident Ueli Maurer, der als Redner an der Konferenz auftrat, gleich selber entgegennehmen.

Keine Rast in der schnellen Schweiz

Und, ebenfalls ungewohnt: nachdem den hiesigen Behörden jahrelang mangelndes Tempo im Umgang mit Finanztechnologie vorgeworfen wurde, war man sich an der Konferenz nun einig, dass das Land sehr gut im Rennen liegt. Die Schweiz distanziere grosse Jurisdiktionen wie die EU und die USA, so der Tenor. Deshalb dürften die Player nun nicht ungeduldig werden.

Zurücklehnen sei jedoch auch keine Option, warnte Imbach von Sygnum. «In den nächsten fünf Jahren wird es massive Veränderungen geben», so der Experte, «die Banken müssen sich jetzt mit dem Thema auseinandersetzen». Das gelte, doppelte Casellini von der Bank Frick nach, vor allem für die kleineren Häuser. «Sonst», sagte er, «verpassen sie den Zug. Grossbanken hingegen können immer noch aufspringen.»

 

Artikel auf finews.ch vom 28.03.2019: https://www.finews.ch/news/banken/35904-krypto-banking-langeweile-sygnum-frick-falcon-turicum-cv-summit

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